römische Spuren um
 
   
 

Etruskische Gräberstraße direkt unterhalb der Porta di Sovana.
Zeichnung:
© Peter Petri
 


Auf Italienisch wird die Gegend um Pitigliano Maremma genannt. Sie besteht aus zwei Teilen: das Flachland entlang der tyrrhenischen Küste wird "Bassa Maremma" (Niedere Maremma) genannt, die größtenteils vulkanische Berg- und Hügelregion "Alta Maremma" (Hohe Maremma). Das Maremmagebiet am Meer war für viele Jahrhunderte bis in die 50er Jahre von der Malaria bedroht. Viele Orte wie Cosa und Roselle wurden daher irgendwann verlassen, sind nie wieder besiedelt worden und liegen heute in Ruinen. Andere Plätze waren immer bewohnt und haben im Mittelater und in der Zeit der Renaissance viele bauliche Veränderungen erfahren. In diesen Jahrhunderten wurden immense bauliche Aktivitäten entwickelt. In solchen ehemals etruskischen und römischen Städten findet man nicht viele Relikte der Antike, weil die meisten alten Gebäude im Lauf der Zeit abgerissen wurden und ihr Steinmaterial neu verbaut worden ist. In einigen Fällen sind die römischen Mauern noch heute eingebettet in neuere Bauwerke. Häufig sieht man Teile der antiken Stadtmauern, die auch im Mittelaletr noch zu Verteidigungszwecken benutzt wurden. Gelegentlich ist es schwer zu entscheiden, welcher Teil einer Mauer etruskisch, römisch oder mittelalterlich ist.

Pitigliano liegt im höheren Teil der Maremma. Der größte Teil dieses Gebiets ist von Tuff bedeckt (italienisch: tufo), einem vulkanischen Material, das vor Urzeiten bei Ausbrüchen entstanden ist. Nur die westlichen Berge nahe dem Flachland (wie etwa die Gegend um Saturnia oder der Monte Labbro) sind teilweise nicht mit Tuff bedeckt, hier liegen die ursprünglichen Gesteine an der Oberfläche (meistens verschiedene Arten von Kalkstein). Tuffstein läßt sich leicht bearbeiten, so lange er noch keinen Kontakt mit der Luft hat. Durch Austrocknen härtet er ab. Der Tuff wurde schon seit frühesten Zeiten von den Menschen der Gegend benutzt. Heute gibt es kaum noch antike Gebäude im Tuffgebiet der Maremma, aber immer noch sichtbar ist das, was die Menschen in den Tuff gehählt haben. Wie ein bekannter Archäologe einmal sagte: Nichts hält länger als ein Loch im Boden.

Obwohl das Hauptthema dieser Seite sich mit dem römischen Erbe beschäftigt, muß die etruskische Kultur einbezogen werden. Zum einen haben sich beide Zivilisationen besonders in spätetruskischer Zeit stark vermischt, als die etruskischen Städte eine nach der anderen erst unter römischen Einfluß, dann unter römisches Gesetz fielen. Aber die Bevölkerung bestand immer noch aus Etruskern, die zwar römische Einflüsse aufnahmen, aber nach wie vor entsprechend ihrer Tradition bauten. Abgesehen davon hatte auch Rom schon lange vor der Eroberung Etruriens viel Einfluß von der Nachbarzivilisation aufgenommen. Selbst die Stadt Rom wurde lange Zeit von etruskischen Königen beherrscht. Als die Römer dann das ganze etruskische Gebiet 280 v.Chr. erobert hatten, benutzten die Etrusker weiterhin ihre architektonischen Formen, die sie teilweise im alten Sinn bewahrten, oft aber auch den neuen Einflüssen anpaßten. So vermischen sich in den noch erhaltenen Bauten häufig etruskische und römische Einflüsse. Wichtig ist die Tatsache, daß etruskische Wohnhäuser und sogar große Tempel im wesentlichen aus Holz gebaut waren, nur die Fundamente waren steinern. Daher gibt es abgesehen von Stadtmauern kaum etruskische Ruinen mit aufgehendem Mauerwerk.

Die meisten antiken Reste außerhalb der Städte sind etruskische und römische Gräber, für die der Tuff ausgehöhlt wurde. Die größeren von Ihnen haben Tempel- oder Tumulusform. Die Gräber der niederen sozialen Schichten sind einfache rechteckige Löcher im Boden oder in einer Felswand. Von dieser Sorte gibt es abertausende, viele von ihnen sind noch nicht ausgegraben, Unmengen vermutlich nicht einmal entdeckt. Nicht wenige dieser Gräber werden heute noch benutzt als Unterstände, Ställe und Speicher. Es gibt sogar mittelalterliche Häuser aus Tuffstein in den Altstädten gebaut, mit mehreren Kellern untereinander, von denen einer ein römisches "Columbarium" ist, perfekt restauriert für Kerzenlicht-Partys unserer Zeit. Die Columbarien sind ebenfalls typisch für die etruskisch-Römische Periode. Es handelt sich um eine meist rechteckige, in den Tuff gehauene Höhle mit vielen Nischen, in denen die Totenurnen standen. Ihr an Taubenhäuser erinnerndes Aussehen gab ihnen den Namen und die Frage, ob sie vielleicht doch für die Taubenzucht benutzt wurden, wenn nicht zur Zeit ihrer Errichtung, dann später, im Mittelalter, wurde heftig diskutiert.

Auch sehr häufig zu sehen sind in den Tuff gegrabene etruskische Hohlwege, streckenweise mit 20 Meter hohen Flanken. Sie wurden gebaut, um die Höhenunterschiede der oft sehr steilen Schluchten zu bewältigen. Sie schlängeln sich abenteuerlich an den Bergflanken hoch, manche von ihnen sind fast höhlenartig zugewachsen, andere werden heute noch als Wege benutzt.

römische Relikte
 

Abgesehen von den unzähligen Gräbern ist aus römischer Zeit nur wenig geblieben, außer im Gebiet der "Bassa Maremma", dem Flachland am Meer und den angrenzenden Hügeln. Trotzdem hier ein paar Hinweise:

 

Pitigliano: Aus der römischen Epoche ist in Pitigliano und der unmittelbaren Umgebung fast nichts erhalten. Der Ort war zu der Zeit auch von geringer Bedeutung, anders als z.B. Sovana und Saturnia. Die einzigen Relikte, die man häufig findet, sind etruskische Hohlwege, die von Grabkammern flankiert werden und viele Kolumbarien, römische Grabkammern, in denen sich Nischen für die Aschenurnen befinden. Einige dieser Kolumbarien befinden sich im Keller von Privathäusern.

Unterhalb der Stadt, etwa 10 Meter von der Straße nach Sovana (gelbes Hinweisschild) gibt es eine Art Kapelle, in den Tuff ausgehöhlt, die von einem deutschen Archäologen für eine frühchristliche Kirche gehalten und ins Jahr 397 n.Chr. datiert wird. Man mag es glauben oder nicht: Die Jahreszahl, die er gefunden haben will, besteht aus arabischen Ziffern...

Im Keller des Hauses am äußersten Ende des Vicolo delle Riforme gibt es ein gut erhaltenes Columbarium (man kann das Haus als Ferienhaus mieten, ansonsten ist es nicht zugänglich). Am oberen Ende des Etruskerweges "San Guiseppe" gibt es eine Brunnenanlage, die wahrscheinlich schon zur Römerzeit existierte.

Sovana: Zur Römerzeit war Sovana das Zentrum der Gegend, heute ist es nur ein hübsches kleines Dorf. Überall unter dem Bodenniveau von heute finden sich bei Grabungen Mauerreste. Eine Ausgrabung kann man sehen direkt neben dem östlichen Teil der Hauptstraße links, eine andere am westlichen Ende der nördlichen Straße. Eingebaut in Mauern des Ortes finden sich römische Spolien, Teile von Säulen und Reliefs aus Marmor. Der romanische Dom steht an Stelle eines etruskischen und römischen Tempelplatzes. Außen und innen kann man viele wiederverwendete römische Mauteile sehen, etwa korinthische Kapitelle. Der romanische Eingang zur Kathedrale von Sovana ist eine eindrucksvolle Zusammensetzung aus verschiedensten Marmorteilen, aus römischen Kapitellen, eleganten Reliefs mit byzantinischen Einflüssen und sehr archaisch anmutenden Darstellungen vermutlich langobardischer Herkunft. Die älteste Kirche von Sovana ist San Mamiliano, deren Ruinen an der Piazza stehen. Es ist klar zu erkennen, daß ihr Fundamente von einem römiscvhen Großbau stammen.

Hinter Sovana, Richtung San Martino sul Fiora kann man von der Fiorabrücke aus etwa 100 Meter flußabwärts die Pfeilerreste einer römischen Brücke sehen. In der Umgebung von Sovana sind Unmengen von Gräbern, die reicheren in Tempelform (wie die riesige Anlage "Tomba Ildebranda") und viele etruskische Straßen. Auf der Piazza gibt es ein kleines, aber sehr ansprechendes Museum, wo man Information zu Besichtigungsmöglichkeiten bekommen kann.

Sorano: Wie in Pitigliano finden Sie hier nichts Römisches außer Columbarien. Die interessantesten sind im Parco di San Rocco, von wo aus sich Ihnen ein beeindruckendes Panorama der Stadt bietet.
Castro: Die Stadt etwa von der Größe Pitiglianos wurde von päpstlichen Truppen 1649 völlig zerstört. Selbst wenn man 50 Meter vor der Stadt steht, sieht der Ort aus wie ein nie besiedeltes Waldgebiet. Der Platz ist schwer zu finden. Auf der Straße Pitigliano - Farnese kommen Sie einige Kilometer vor Farnese an die Abzweigung nach Manciano, der Sie etwa einen Kilometer folgen, bis links eine schmale Straße abzweigt. Auf dieser erreichen Sie nach wieder einem Kilometer eine Wallfahrtskirche (direkt daneben große etruskische Tempelruinen). Sie nehmen einen Weg, an dessen Anfang ein großer Stein steht: "Qui fu Castro" (Hier stand Castro). Es geht aber noch 500 Meter weiter, bis zu einem großen Feld, daß Sie auf eigene Gefahr überqueren. Der bewaldete Hügel ist der Ort der Stadt. Besonders am Ende des Hügels sehen Sie hunderte von Kellern, die Platten der ehemaligen Straßen, selbst eine Kirche mit neu ausgegrabenen Fresken ist zu sehen. Aufpassen müssen Sie schon, leicht fällt man in ein Loch und ist erst einmal unauffindbar. Castro war auch im Altertum schon eine Stadt, und an den Hängen rundherum gibt es in Mengen die gewöhnlichen Tuff-Grabkammern.
Vitozza: Einst eine kleine Stadt, heute unbewohnt. Viele der Einwohner lebten in Wohnhöhlen, die gut ausgeschildert zu besichtigen sind. Vitozza liegt direkt außerhalb des Dorfes San Quirico nahe bei Sorano Sorano. Wie an vielen anderen Orten gibt es auch hier etruskisch-römische Gräber.
Grotte di Castro: Eine große Gräberstraße mit interessanten Tempelgräbern rechts neben der Straße (der Via Cassia) Lago di Bolsena - Grotte di Castro
Poggio Buco: Auf der Straße Pitigliano- Manciano fahren Sie über die Fiora-Brücke (100 Meter flußabwärts die mächtige Pfeilerruine des römischen Vorgängerbaus). Unmittelbar hinter der Brücke führt ein Schotterweg bergauf. Nach etwa anderthalb Kilometern stoßen Sie auf die Nekropole einer der bedeutenderen etruskischen Städte.
Saturnia: Eine der bedeutenderen der römischen Städte im Gebiet. Dort sehen Sie die gut erhaltene Porta Romana mit der Originalpflasterung der Straße, die in die Stadt führt. Auch andere größere Teile der Stadtmauer stehen noch. Auf der Piazza und in einem kleinen Park unmittelbar nördlich gibt es eine Sammlung römischer Grabmonumente und anderer Steinarbeiten. Es gibt auch ein Restaurant "A due Cippi" mit zwei original etruskischen Grabhügel-Aufsätzen ("Cippi"). Von der Westseite der Piazza aus sind römische Ausgrabungen zu sehen. Etwa hundert Meter nördlich der Piazza stehen hohe Mauern eines römischen Gebäudes.
Poggio Murella: Hier steht ein interessantes Wasser-Kastell (etwa 1000 Meter hinter dem Friedhof bergab). 100 Meter oberhalb des Friedhofs steht in einem privaten Garten ein römischer Turm, eventuell ein Ehren-Grabmal.
Cosa: Ganz oben auf dem Hügel, umgeben von der Villensiedlung Ansedonia steht die römische Stadt Cosa mit einem überwältigenden Panoramablick auf Küste und Meer. Ein Teil der Stadt ist ausgegraben (Forum, eine Vialla, Zisternen, Zweckgebäude, mehrere Tempel auf der Südseite). Unmittelbar südlich zwischen Privathäusern ist die Kirchenruine von San Bagio, die aus einem römischen Mausoleum entstanden ist. Unten südlich am Strand, einer der interessantesten Orte des ganzen Gebiets: Der ehemalige Hafen von Cosa mit großen Resten der alten Mole. Direkt am Ufer stand eine große römische Villa, deren Fundamente man an der Strandabbruchkante deutlich sehen kann. Berühmt ist auch der Spacco della Regina, ein am Eingang kleiner, im inneren riesiger Felsspalt, der von den Etrusker noch erweitert und zur Wasserregulierung verwendet wurde. Später schlugen die Römer eine zweite Wasseranlage in den Fels, den eindrucksvollen "Piccolo Spacco", der heute noch in Betrieb ist. Am Ort der römischen Villa wurde im Mittelalter ein mächtiger Turm erbaut, in dem Puccini zeitweise an seinen Opern arbeitete. In naher Umgebung von Cosa gibt es noch mehrere Ruinen von römischen Villen.
Bolsena: Die Stadt am Bolsena-See, dem größten italienischen See außerhalb der Alpen, gehört eigentlich nicht mehr zur Maremma, ist aber sehr nahe. Hier wurden umfangreiche Ausgrabungen der römischen Stadt durchgeführt (z.B. des Amphitheaters). Noch in der Stadt, unmittelbar neben der Straße nach Orvieto vor der freigelegten etruskischen Mauer stehen einige gut erhaltene römische Grabmonumente, die von ihren Originalplätzen hierhin gebracht wurden. Anschließend an den hinteren Teil der Kirche Santa Christina gibt es eine frühchristliche Katakomben.
 
zurück zur Hauptseite - zurück zu den Pitigliano-Informationen